Hinterhandlähmung bei Ratten

Die Hinterhandlähmung ist eine Krankheit, die viele Ratten im Alter betrifft. Obwohl diese Beeinträchtigung bei wildlebenden Tieren ein Todesurteil ist, können Farbratten in der Heimtierhaltung trotz dessen noch schöne Monate verbringen. Alles was ihr über diese Erkrankung und deren Behandlung wissen müsst, erfahrt ihr hier.

Was ist eine Hinterhandlähmung?

Die Hinterhandlähmung (auch HHL genannt) ist eine Erkrankung, die nicht selten bei älteren Ratten auftritt. Vor allem Böcke sind für diese Alterserkrankung besonders anfällig. Die Krankheit tritt bei den meisten Ratten schleichend auf und wird zunehmend schlimmer. Im Verlauf der Hinterhandlähmung bei Ratten baut die Muskulatur im Rücken und der Hinterhand stark ab, bis die hinteren Beine komplett gelähmt sind und nicht mehr belastet werden können. Diese Beeinträchtigung schränkt die Ratten in vielerlei Hinsicht in ihrem Alltag ein, weshalb sie oftmals auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Eine Hinterhandlähmung bei Ratten erkennen

Hat meine Ratte eine Hinterhandlähmung? Das Wichtigste ist es, das Auftreten der Erkrankung so schnell wie möglich zu erkennen und die Symptome richtig zu deuten. Eine Hinterhandlähmung tritt in den meisten Fällen eher schleichend auf und wird mit der Zeit zunehmend schlimmer. So spricht man zu Beginn der Krankheit von einer Hinterhandschwäche, bei der die Ratte ihre Hinterbeine beim Laufen nicht mehr richtig anhebt. Die Hinterfüße werden eher hinterher geschliffen und nehmen eine krumme und „verdrehte“ Haltung ein. Erste Anzeichen einer Hinterhandlähmung können bereits leicht schwankende Bewegungen beim Laufen sein. Im Verlauf der Erkrankung werden die Symptome zunehmend ausgeprägter und die Muskeln der Hinterhand und der Flanken werden immer schwächer (Dystrophie). Auch die Rückenmuskulatur wird in Mitleidenschaft gezogen, was durch das Herausragen des Beckenbodenknochens bemerkbar ist.
Anschließend hat die Ratte große Probleme beim Klettern und Kratzen, bis sie schließlich nicht mehr richtig laufen kann und ihre hinteren Beine nur noch nachzieht. Wenn die Hinterbeine vollständig gelähmt sind, zieht die Ratte ihren gesamten Körper nur noch mit ihren Vorderpfoten robbend voran.

Häufig verläuft eine Hinterhandlähmung bei Ratten schubweise und es gibt Zeiten, in der die Ratte wieder bessere Phasen hat und es scheint, als würde sich ihr Zustand bessern. Doch leider sind dies nur Phasen und schon bald wird die Nase auch wieder den Symptomen der Krankheit verfallen.

Beginnende Hinterhandlähmung: 

Ursachen einer Hinterhandlähmung 

Das Auftreten einer Hinterhandslähmung kann verschiedene Ursachen besitzen. Grundsätzlich sind Nasen mit zunehmendem Alter anfälliger für Erkrankungen, da sich Zellerneuerungsvorgänge verlangsamen und auch das Wachstum von Nervenzellfortsätzen stark abnimmt. Die Nerven im Körper der Ratten dienen zur Weiterleitung von Informationen und Reizen. Deshalb kommt es vor allem im Alter nicht selten zu einer Lähmung in den Hinterbeinen.

Häufig wird hierbei Muskelschwund (Verringerung der Muskelmasse) diagnostiziert. Häufig ist dies allerdings nicht die Ursache der Krankheit, sondern nur ein Symptom. Durch die Beeinträchtigung der HHL kann die Ratte sich nicht mehr so viel bewegen, woraufhin sich Muskeln abbauen. Das bedeutet die Muskeln schwinden in diesem Fall als Folge der Hinterhandlähmung und nicht anders herum.
Weitere Ursache kann ein Schlaganfall sein, der Schäden am Gehirn verursacht hat. In diesem Fall treten Symptome meist sehr plötzlich und weniger schleichend auf. Auch eine Verletzung an der Wirbelsäule aufgrund eines Sturzes kommt in Frage. Die Ursache könnte ebenfalls ein Tumor sein, der auf die Nervenbahnen Druck ausübt. Sogar ein großes Blutgerinsel, das die Durchblutung zu den Hinterbeinen unterbricht könnte dahinter stecken, dies ist aber sehr unwahrscheinlich. Manchmal wird auch der Zusammenhang zwischen Nierenversagen und der Hinterhandlähmung diskutiert.

Wie man sieht gibt es zahlreiche Ursachen, die zutreffen könnten. Aus diesem Grund sollte ein rattenerfahrener Tierarzt das Tier behandeln und die Diagnose stellen.

Behandlung einer Hinterhandlähmung bei Ratten

Diese Alterserkrankung zählt leider (je nach Ursache) meist zu den Krankheiten, die nicht geheilt werden können. Dennoch sollte beim Eintreten von Symptomen umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden, um andere Krankheiten auszuschließen und eine Behandlung zu besprechen.
Man kann hoffen, dass die Krankheit nicht zu schnell fortschreitet. Nach Absprache mit dem Tierarzt kann man das Immunsystem der Ratte mit Vitamin B und anderen Präparaten unterstützen und einer rasanten Verschlimmerung der Lähmung möglicherweise etwas entgegenwirken.
Hierzu ein Zitat von rattenzauber.de:

„Eine hochdosierte Vitamin B-Gabe ist zu empfehlen. Der Rattenhalter kann seiner Ratte 3 x täglich Vitamin-B-Tropfen, vermischt mit sehr wenig Fruchtjoghurt verabreichen (z. B. Polybion N-Tropfen). Die bisher empfohlenen Bryonon N-Tropfen werden nicht mehr hergestellt, ersatzweise können Polybion N-Tropfen verwendet werden). Sofern der Verdacht einer Nervenschädigung besteht, ist es sinnvoll, zusätzlich Vitamin B 12 und B 1 zuzuführen (Polybion enthält die Vitamine B1, B2 und B6, (Bei Mangel an B 12 kann es u.a. zu Schädigungen des Nervensystemes, Koordinationsstörungen und zu Degenerationen des Rückenmarks kommen, Mangel an B 1 kann durch Anhäufung von Ketonsäuren u. a. zu Schäden im Gehirn führen). Beide Präparate können sowohl injiziert als auch oral eingegeben werden. Zu beachten ist, dass per Injektion 0,5 ml B 12 ausreichen, bei einer oralen Verabreichung die doppelte Dosis gegeben werden muss.

In einigen Fällen hat auch eine Kortisonbehandlung leichte Besserung erzielt. Der Tierarzt kann nach einer Diagnose die entsprechenden Medikamente verordnen (z.B. und u.a. Metacam). Er könnte einen Behandlungsversuch mit Selen (findet u. a. Verwendung zur Behandlung von Muskelschwäche) versuchen. Es sollte injiziert und nach 2 bis 4 Wochen wiederholt werden.“

Kann eine Ratte mit HHL weiter leben?

Natürlich fühlt sich in dieser Situation jeder Rattenhalter hilflos der Ratte nicht helfen zu können und fragt sich, ob und wie lange dies so weiter gehen kann. Natürlich kommt es hierbei stets auf die Ausprägung der Symptome und den Fortschritt der Lähmung an. In den meisten Fällen können Ratten mit einer Hinterhandlähmung durchaus noch ein paar schöne Wochen bis Monate verbringen. Durch ihre körperliche Beeinträchtigung benötigen sie allerdings bei einigen Dingen deine Unterstützung.
Doch natürlich kommt die Ratte irgendwann an den Punkt, wo man sich fragen sollte, ob diese wirklich noch weiter leben möchte oder man sie erlösen sollte.
Denn man sollte sich auch darüber klar werden, dass die Ratte sozusagen in ihrem eigenen Körper gefangen ist. Ein gesunder Geist, der herum springen, klettern und spielen will. Doch das kann die Ratte nicht, weil sie in ihrem „kaputten“ Körper gefangen ist. Wenn ich mich in diese Lage versetze ist das verdammt frustrierend und ich glaube irgendwann kommt der Punkt, wo die Ratte einfach keinen Lebenswillen mehr hat. Wann diese Zeit gekommen ist muss wohl jeder Besitzer für sich selbst entscheiden, immerhin kennt er sein Tier am besten. Doch auch der Tierarzt kann selbstverständlich miteinbezogen und um Rat gefragt werden.

Leben mit HHL – wie helfe ich der Ratte?

Wie bereits erwähnt muss der Halter der Ratte bei manchen Sachen behilflich sein, da diese durch die Hinterhandlähmung stark beeinträchtigt ist. Der Rattenkäfig muss behindertengerecht umgestaltet werden, sodass die betroffene Ratte trotz ihrer Lähmung alles wichtige gut erreichen kann. Steile Leitern sollten entfernt und durch breite Rampen ersetzt werden. Die Ratte wird auch die Fähigkeit verlieren zu klettern und wird womöglich auch Probleme mit dem Gleichgewicht haben. Also muss sie im Fall einen Sturzes gesichert werden und darf nicht zu tief fallen. Hierfür sollte der gesamten Käfig flacher gestalten werden und man sollte die Etagen durch Fleecedecken oder einen anderen weichen Untergrund auspolstern. Auch Hängematten sollten aufgehangen werden, um die Ratte im Fall eines Sturzes zu sichern. Futter und Wasser sowie mindestens ein Rückzugsort sollten am Boden des Geheges platziert werden, sodass die Ratte diese ohne großen Aufwand erreichen kann. Für das Wasser sollte bevorzugt ein Napf gewählt werden, da die Ratte sich aufgrund der HHL nicht mehr auf die Hinterpfoten stellen kann, um aus der Tränke zu trinken.

Bei einer fortgeschrittenen Krankheit muss man der Ratte auch bei der Körperpflege helfen. Hierbei sollte man täglich After & Genitalbereich sowie den Bauch mit einem lauwarm angefeuchteten Wattestäbchen oder Tuch sanft sauber machen. Auch beim Reinigen der Ohren sollte man helfen. Dies ist allerdings eine etwas schwierigere Aufgabe, die man sich zunächst vom Tierarzt erklären und zeigen lassen sollte. Im Bereich der Fellpflege sollte man dieses auch regelmäßig auf Parasiten kontrollieren. Diese nutzen den Zustand eines geschwächten Tieres häufig aus um zuzuschlagen.

Weiterhin sollte man regelmäßig überprüfen, ob die Ratte noch problemlos Kot und Urin ablassen kann.
Da die Ratten bei einer Hinterhandlähmung nicht mehr mit ihren Hinterpfoten auftreten können, nutzen sich auch deren Krallen nicht länger ab. Diese könnten die Ratten möglicherweise zusätzlich behindern, indem sie sich in Stoff oder ähnlichem verheddern. In diesem Falle sollte man die Krallen vom Tierarzt kürzen lassen.

Viele Ratten mit einer Hinterhandlähmung haben auch ein Problem bei der Nahrungsaufnahmen, da sie sich nicht wie gewohnt auf ihre Hinterbeine setzen können, um Körnchen in die Vorderpfoten zu nehmen. Dies sollte man auf jeden Fall beobachten und der Ratte gegebenenfalls mit Brei o.ä. über einen Löffel füttern.

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Grundsätzlich sollte die erkrankte Ratte aber niemals von ihrem Rudel getrennt und ganz alleine in eine Käfig umziehen! Gerade in schlechten Zeiten braucht die Nase ihre Artgenossen. Ebenso unterstützen und helfen sich Ratten auch gegenseitig, wenn ein Tier im Rudel alt oder krank ist.

Eine Hinterhandlähmung bei Ratten verhindern

Einen wirklichen Weg diese Krankheit zu verhindern gibt es leider nicht. Dennoch sollte man das Immunsystem seiner Ratten stets mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung unterstützen und sicher gehen, dass sie alle benötigten Vitamine und Nährstoffe erhalten. Insbesondere Vitamin B12 ist für den gesunden Erhalt von Nervenbahnen sehr wichtig.
Um eine Verletzung der Wirbelsäule und auch generell der Ratte zu vermeiden sollte der Rattenkäfig natürlich sicher gestaltet werden und auch für das Alter passend eingerichtet werden.

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